Die Speziallager und Gefängnisse in der ehem. DDR

Es war in 1989, als sich die ehem. DDR auflöste und an die BRD angegliedert wurde.  Kaum jemand denkt noch daran, daß kurz davor in den Gefängnissen dort hingerichtet wurde und dass diese sozialistischen Gefängnisse und Lager grausamste Hinrichtungsstätten waren. Und an die Speziallager, die die Russen 1945 für Deutsche errichteten, denkt wohl auch keiner.

Auf der Potsdamer Konferenz legten die Regierungschefs Russlands, USA und Großbritannien fest, dass Deutsche, die an der Planung oder Verwirklichung nazistischer Maßnahmen, die Greuel nach sich zogen, teilgenommen hatten, zu bestrafen sind und in Lager zu internieren seien. Die Vereinbarung erfaßte auch jene Deutsche, die keiner bestimmten Verbrechen schuldig waren, aber für die Ziele der Alliierten als gefährlich gelten. Bei der Durchführung der Strafmaßnahmen konnten die Besatzungsmächte der jeweiligen Zone auf ihre eigenen nationalen gesetzlichen Bestimmungen zurückgreifen und neue Weisungen, Befehle, Verordnungen erlassen. In der sowjetischen Besatzungszone (und in den anderen auch) war deshalb eine offene Vergeltungshaltung der Sieger, sowie Repressiv- und Terrormethoden üblich, wie sie aus der stalinistischen Zeit bekannd sind.

In mehreren Orten der ehem. DDR errichteten die  Sowjets 1945 sogenannte „Spezialllager“. Sie bestanden bis 1950, in die sie als gefährlich eingestufte Personengruppen festgehalten wollten. Es wurde jedoch ein sehr umfangreicher Personenkreis arrestiert und die Lager wurden vor allem zur Unterdrückung politischer Gegner genutzt.

Stark betroffen waren hier Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren und teilweise noch jüngere, die unter dem Verdacht als Mitglieder der Organisation „Werwolf“ waren, die in den letzten Kriegstagen und danach noch das Naziregime aufrecht erhalten wollten, jedoch nie richtig Attentate verübt hatten. Bekannt wurde die Geschichte der 38 Greußener Jungs, die nachweislich unschuldig waren und von denen 24 die sowjetische Siegerjustiz nicht überlebten (Geschichte der Greußener Jungs s. hier:)  oder der Jugendlichen aus Eisenach, die verschleppt wurden und von denen nur wenige zurückkamen. Derartige Geschichten hört man in der gesamten ehem. DDR. Der ehem. vermeintliche und unschuldige Werwolf Benno Prieß schrieb einmal ein Buch darüber: „Erschossen im Morgengrauen“.

Zur Errichtung eines Speziallagers wurden oft ehemalige deutsche KZs genutzt, so Buchenwald, Sachsenhausen und Jamlitz (ehem. Arbeitslager Lieberose bei Frankfurt an der Oder), die von der Besatzungsmacht ab August 1945 weitergenutzt wurden.

Als 1947 die Rechtsprechung teilweise auf deutsche Gerichte überging, änderte sich nicht viel. Viele frühere deutsche Mitglieder der KPD arbeiteten mit der sowjetischen Geheimpolizei NKWD zusammen.  1950 wechselten die KPD-Mitglieder ins neu gegründete Ministerium für Staatssicherheit (Stasi). Erich Mielke, der zwei Polizisten erschossen hatte, war dabei. Sie überstellten zunehmend politisch missliebige Personen an die Besatzungsmacht und die Internierungen in die Speziallager und Gefängnisse dienten immer mehr der Unterdrückung jeglicher politischer Opposition oder dem was ihnen nicht genehm war. Selbst unerwünschte Ehefrauen wurden vom Ehemann denunziert und verschwanden im Speziallager. Ansonsten waren es oft kleinere Funktionsträger der NSDAP, zahllose Personen von der Straße zwecks Erfüllung des vorgegebenen stalinistischen „Plansoll“, sowie in den Lagern geborene Kinder, die meistens mit den Müttern in abgesonderten Bereichen untergebracht waren. Die Frauen wurden teilweise bereits schwanger inhaftiert oder auch erst im Lager schwanger. Die Lager waren somit keine Lager für Kriegsverbrecher. Hinzu kamen noch einige Tausend Kriegsgefangene, die zum größten Teil 1946/47 zum Arbeitseinsatz in die Sowjetunion überführt wurden.

Aufgrund der Reduzierung der ohnehin schon geringen Verpflegungsrationen im Herbst 1946 starben von November 1946 bis Juni 1947  14.450 Häftlinge an Hunger, Krankheit oder Kälte. Die allermeisten der restlichen Inhaftierten waren schwer krank.

Die Inhaftierten wurden tage- und wochenlang vom NKWD verhört und gefoltert und mussten ein Verhörprotokoll unterzeichen, das oftmals auf russisch verfasst war und manchmal Geständnisse enthielt, die so nicht zu Protokoll gegeben wurden. Da die Vorwürfe meist nicht für ein Gerichtsverfahren ausreichten, wurden die Betroffenen in einem Speziallager untergebracht. Alle Inhaftierten der Speziallager waren nur Verdächtige.

Ansonsten wurde ein Sowjetisches Militärtribunal angewandt, wo das übliche Verfahren ein „Schnell-Verfahren“ war, das 15 bis 20 Minuten dauerte und  25 Jahre Zwangsarbeit eine übliche Strafe waren. Es wurden keine Verteidiger noch Entlastungszeugen zugelassen und es gab keine Berufungsmöglichkeit. Die Schuld musste auch nicht nachgewiesen werden; allein der Vorwurf genügte, um in die UdSSR in ein Zwagsarbeiterlager deportiert zu werden, sofort erschossen oder in einer russischen Strafvollzugsanstalt auf deutschem Boden eingewiesen zu werden. Die gab es in Bautzen, Sachsenhausen und Torgau auf dem gleichen Gelände, wo sich bis 1948 oder 1950 drei der Speziallager befanden. Von 1945 bis 1947 wurden insgesamt 1797 Todesurteile verhängt/vollstreckt, von 1950 bis 1953 waren es noch 606.

Trotz Auflösung der Lager in 1950 wurden viele Gefangene nicht entlassen, sondern in die Sowjetunion deportiert oder in Zuchthäuser der DDR überstellt. Einige tausend Häftlinge wurden am 9. und 13. Februar 1950 nach Waldheim gebracht, wo 3.424 in den Waldheimer Prozessen in 32 Fällen zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Darunter war beispielsweise auch ein 1945 bei der Verhaftung 14-jähriger Junge, der nach fünf Jahren in Speziallagern auf haltlose Vorwürfe hin 20 Jahre Zuchthaus erhielt.

Leider ist mir eine Fahrt zu den Speziallagern etwas zu weit. Ich würde mich freuen, wenn Menschen aus der Gegend einmal dort hinfahren können und Blumen an der Gedenkstätte ablegen würden. Das löst immer etwas. Tausende von Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche und meist unschuldige Menschen ließen hier nach einer riesigen Folter und Qual ihr Leben. Vergisst sie nie, liebe Ossis.

 

 

An alle erdgebundenen Wesen, die Opfer der russischen Siegerjustiz in Gefängnissen und Speziallagern in der ehemaligen DDR gewesen sind, und an alle Opfer der ehem. DDR

Liebe Wesen, ich rufe Euch!!! Ich möchte Euch mitteilen, dass ich mich an Euch erinnere und nichts und niemanden vergessen habe. Ich möchte Euch mitteilen, dass Ihr alle sehr viel Wert seid, auch wenn Ihr gedemütigt, gefoltert, hingerichtet, deportierten, an Hunger und Krankheiten verstorben seid und wie der letzte Dreck behandelt wurdet.

Ich gedenke der ca. 180.000 deutschen, ca. 35.000 russischen und ca. 500 weiteren Insassen anderer Nationen, der Verhörten, Verurteilten und Hingerichteten in den russischen Speziallagern und Gefängnissen in der ehemaligen DDR und in ehemaligen deutschen Gebieten, unabhängig von Schuld oder Unschuld, in den Lagern

  • Mühlberg
  • Buchenwald
  • Berlin-Hohenschönhausen
  • Strelitz
  • Bautzen
  • Ketschendorf / Fürstenwalde
  • Jamlitz (zuvor von Mai 1945 bis August 1945 in Frankfurt/Oder)
  • Weesow
  • Sachsenhausen
  • Torgau (Seydlitz-Kaserne)
  • Torgau (Fort Zinna)
  • Fünfeichen
  • Landsberg (Warthe) in Ostbrandenburg, heute in Polen
  • Und alle anderen, von denen wir möglicherweise nie etwas erfahren haben.

Ich gedenke auch an alle ehemaligen DDR-Gefängnisse, so

  • Gefängnis Rummelsburg (Berlin-Lichtenberg)
  • JVA in Waldheim
  • Frauenzuchthaus Hoheneck
  • JVA Halle Roter Ochse
  • Die zentrale Hinrichtungsstätte in Dresden
  • Die zentrale Hinrichtungsstätte Leipzig
  • Hinrichtungsstätte Pankrác in Prag
  • und alle anderen.

 

  • Ich gedenke an alle Mitglieder oder kleineren Funktionsträgern (wie Block- und Zellenleiter) der NSDAP oder anderer NSDAP-Organisationen.
  • Ich gedenke an die von ehemaligen Widerstandskämpfern der KPD überstellten politisch missliebigen Personen.
  • Ich gedenke aller Inhaftierten, die überwiegend unter dem Vorwurf Nationalsozialisten zu sein, festgehalten wurden,
  • Ich gedenke an alle Werwölfe, die zwischen 12 und 18 Jahre alt waren und zu Tausenden inhaftiert und gefoltert wurden, auch wenn sie keine Anschläge verübt hatten.
  • Ich gedenke der zahllosen Personen, die von der Straße weg verhaftet wurden, um das vorgegebene stalinistische „Plansoll“ an Verhaftungen zu erfüllen.
  • Ich gedenke aller Schwangeren, die inhaftiert wurden, und aller im Lager geborenen Kinder. Ich gedenke auch aller Frauen, die im Lager schwanger wurden.
  • Ich gedenke aller Sozialdemokraten, Liberalen und Konservativen, Adlige, Unternehmer, Bauern und Großbauern, die mehr als 100 Hektar Land besaßen und sich ihrer entschädigungslosen Enteignung widersetzten, Zeitungs- und andere Redakteure, Schauspieler, Autoren antisowjetischer Literatur und viele mehr.
  • Ich gedenke an mehrere tausende von Kriegsgefangenen, die ebenfalls interniert wurden, und meist in russische Arbeitslager überführt wurden.
  • Ich gedenke der russischen und anderen Bürgern, die ebenfalls inhaftiert waren.
  • Ich gedenke an die zehntausende von Häftlingen, die an Hunger, Krankheit oder Kälte starben.
  • Ich gedenke aller Hingerichteten in den Gefängnissen.
  • Ich gedenke auch aller Überlebenden, die ihr Lebtag traumatisiert waren und ihr Leben nicht mehr genießen konnten.

Liebe Wesen, Ihr seid einer fürchterlichen Sieger- und Rachejustiz zum Opfer gefallen. Einfach auf Verdacht wurden die meisten von Euch zu regelmäßigen tage- und wochenlagen Verhören teilweise unter Folter festgenommen. Die Verhörprotokolle mit Geständnissen, die unterschrieben werden mussten, waren in russischer Sprache verfasst und enthielten Aussagen, die von Euch nicht gemacht wurden. Wenn die Vorwürfe für eine Anklage nicht ausreichten, wurdet Ihr in Speziallager interniert. Wenn die Vorwürfe ausreichten, seid Ihr vor ein sowjetisches Militärtribunal gekommen und oft hingerichtet oder in russische Arbeitslager interniert worden. Viele von Euch waren noch halbe Kinder. Das waren schreckliche Erlebnisse.

Heute möchte ich alle, die noch erdgebunden sind, bitten, dieses schreckliche Erlebnis loszulassen. Bitte schüttelt alles was Euch noch belastet einfach ab: Die Angst vor dem Tod, die Angst vor Folter, den Schmerz, die Wut, das Leid, die Rachegefühle, die Sorge um die Angehörigen, Hunger, Kälte, Krankheit. Dann seid ihr frei.

Bitte habt auch keine Angst vor Gott, denn Gott straft nicht. Es gibt keinen strafenden Gott.

Ich setze eine weiße Lichtsäule für alle erdgebunden Wesen in allen Speziallagern und Gefängnisse der Ostzone. Liebe Wesen, möge Sie Euch beim Aufstieg helfen und Euer Dasein auf Erden beenden. Mögen sich alle Schatten in Licht umwandeln.

So sei es.

Sunflower on a meadow in the light of the setting sun